Allwissender Erzähler
Ein Erzähler, der alles über Geschichte und Figuren weiß und kommentieren, urteilen, vorausdeuten kann.
Der allwissende Erzähler vereint alles Wissen (siehe Nullfokalisierung) und oft eine eigene Stimme: Er kommentiert die Handlung, urteilt über Figuren, wendet sich an den Leser, verallgemeinert („alle glücklichen Familien gleichen einander…“). Er ist keine Figur, aber eine Präsenz.
Dieser Überblick hat ein kodifiziertes Gegenstück: Was der allwissende Erzähler behauptet, gilt als wahr. Er kann nicht lügen — nur verschweigen. Deshalb beruht Spannung bei Allwissenheit auf bewusst gehaltener Zurückhaltung, und deshalb erzeugt die Verwechslung des allwissenden Erzählers mit einer irrenden Figur beim Leser ein Gefühl des Betrugs.
Beispiel
Tolstois Erzähler eröffnet Anna Karenina mit einer Sentenz über alle Familien.
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