Prosopopöie
Eine Figur, die Abwesende, Tote, Abstraktionen oder Dinge sprechen lässt — sie gibt dem Vaterland, der Natur oder Verstorbenen eine Stimme.
Die Prosopopöie legt Worten in den Mund, was nicht spricht: einen Toten, einen Abwesenden, eine Allegorie, einen Gegenstand, eine Institution. Sie geht über die Personifikation hinaus — nicht mehr nur menschliche Gesten, sondern eine ganze Stimme, oft in direkter Rede.
Als traditionell feierliche Figur (Redner ließen das Vaterland oder die Ahnen sprechen) behält sie in der Erzählliteratur eine eigentümliche Kraft: ein Kapitel, in dem ein Haus, ein Fluss oder eine Verstorbene spricht, ändert radikal den Lesepakt. Sie verlangt volles Engagement — eine zaghafte Prosopopöie fällt flach, denn der Leser gewährt das Wort nur Stimmen, die es sich zu eigen machen.
Beispiel
Das Kindheitshaus sprechen lassen: „Ich sah sie geboren werden, ich sah sie gehen.“
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