Sonett
Die dauerhafteste feste Form der westlichen Dichtung: vierzehn Verse, in der englischen Tradition mit einer abschließenden Wendung.
Das Sonett ist die dauerhafteste feste Form der abendländischen Dichtung: vierzehn Verse, im petrarkischen Erbe als zwei Quartette und zwei Terzette gegliedert (im deutschen Barock durch Opitz eingeführt), im Shakespeare'schen Sonett als drei Quartette plus ein abschließendes Reimpaar. Das Reimschema variiert je nach Tradition; unveränderlich ist die Wendung — die Volta —, die das Gedicht kippt, und die pointierte Schlusszeile, die es krönt.
Seine Struktur ist ebenso ein argumentatives wie ein metrisches Gefäß: Der Anfang setzt (ein Bild, eine Lage), der Schluss verfügt (Umschwung, Weitung, Auflösung) — die Wendung zwischen beiden Teilen ist das eigentliche Herz der Form. Von Opitz über Rilkes „Archaïscher Torso Apollos“ bis zu zeitgenössischen Sonetten hat die Beschränkung nie aufgehört, fruchtbar zu sein: vierzehn Verse, und alles muss hineinpassen.
Beispiel
„Dich wandeln sah ich, Träumer, weit auf Wegen…“ — zwei Quartette, zwei Terzette, und die Wendung im letzten Terzett.
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