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Poesie & Metrik

Stummes e (Französische Prosodie)

Das schließende „e“, das je nach Stellung mitgezählt wird oder verschwindet: die zentrale Regel — und Hauptfalle — der französischen Silbenzählung.

Das stumme e (e caduc) ist jenes schließende „e“, das das moderne Französisch kaum noch ausspricht, das die klassische Metrik aber nach drei Regeln am Leben hält: vor einem Konsonanten zählt es (das e von „rose“ in „une rose rouge“ ist eine Silbe); vor einem Vokal wird es elidiert und zählt nicht; am Versende zählt es nie.

Das ist die große Eigenheit des französischen Verses — und die häufigste Fehlerquelle beim Zählen. Es ist auch seine innere Musik: das gezählte e dehnt und mildert, gibt dem Vers jene Geschmeidigkeit, die die traditionelle Vortragskunst hörbar macht. Verlaine gewann daraus unerreichte Unschärfe-Effekte. Das Deutsche kennt kein Äquivalent: Es hat kein je nach Stellung stummes oder gezähltes Schluss-e, sein Versmaß beruht auf dem Wortakzent.

Beispiel

Vergleichbar ist im älteren Deutsch das gesprochene End-e: „geliebete“ dreisilbig neben „geliebte“ zweisilbig.

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