Zäsur
Der Haupteinschnitt, der einen Vers in zwei Halbverse teilt — der rhythmische Ankerpunkt des klassischen Verses.
Die Zäsur ist der Haupteinschnitt eines langen Verses, der ihn in Halbverse teilt — nach der sechsten Silbe im klassischen Alexandriner. Sie ist keine bloße Lesepause: Die klassische Prosodie kodifiziert die Stelle (kein unelidiertes stummes e an der Zäsur, zwingendes Wortende, idealerweise eine Sinnstütze).
Sie zu gestalten heißt, Rhythmus in Sinn zu verwandeln: Eine klare Zäsur gibt Gleichgewicht und Würde; eine gestörte lässt den Vers absichtlich hinken. Hugo rühmte sich, „diesen großen Trottel von Alexandriner ausgerenkt“ zu haben — die Verrenkung geschieht zuerst an der Zäsur. Im freien Vers überlebt sie als beweglicher innerer Einschnitt, frei platziert, um den Satz zu formen.
Beispiel
„Irren ist menschlich, // vergeben göttlich.“
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