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Poesie & Metrik

Zeilensprung (Enjambement)

Der Satz überschreitet das Versende und setzt sich ohne syntaktische Pause in der nächsten Zeile fort.

Ein Zeilensprung liegt vor, wenn der Satz nicht am Versende hält und sich in die nächste Zeile ergießt: Die Syntax überschreitet die metrische Grenze. Das Zeilenende bleibt markiert (durchs Auge, durch einen etwaigen Reim), aber der Sinn erzwingt den Übergang — zwei Logiken überlagern sich und erzeugen Spannung.

Diese Spannung ist ausdrucksstark: Der Zeilensprung kann Schwung, Überlauf oder Fall nachahmen, oder ein Wort am Rand der Zeile aufhängen, um es mit Erwartung aufzuladen. Die französische Prosodie benennt seine kurzen Formen eigens: den rejet (das kurze, an den Anfang der nächsten Zeile geworfene Element) und den contre-rejet (das kurze, am Zeilenende vorausdeutende Element). Im freien Vers bleibt der Zeilensprung das Hauptwerkzeug der Formgebung: Wo man die Zeile bricht, entscheidet, was das Auge isoliert.

Beispiel

„so viel hängt ab / von // einer roten Schub- / karre“

nach William Carlos Williams
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