
Colette
Romanautorin, Journalistin und Pantomimin: Ihren ersten Erfolg schrieb sie unter dem Namen eines anderen, bevor sie sich ihren eigenen machte.
- Geboren
- 28. Januar 1873
- Saint-Sauveur-en-Puisaye (Frankreich)
- Gestorben
- 3. August 1954
- Paris, mit 81
- Erstes Buch
- Claudine à l'école
- 1900, mit 27
- Erfolg
- Claudine à l'école
- Erstes Buch
Ein erster Roman unter dem Namen ihres Mannes
Sidonie Gabrielle Colette wurde am 28. Januar 1873 in Saint-Sauveur-en-Puisaye in Burgund geboren. Dort verbrachte sie ihre ersten achtzehn Jahre, bis die verschuldete Familie im Herbst 1891 nach Châtillon-sur-Loing zog. Am 15. Mai 1893, mit 20, heiratete sie Henry Gauthier-Villars, genannt Willy, einen bekannten Musikkritiker, der auch Bücher anderer unter seinem Namen herausbrachte.
Ein Jahr oder anderthalb nach der Hochzeit, so erzählt sie in Meine Lehrjahre (1936), riet Willy ihr, ihre Schulerinnerungen aufzuschreiben, pikante Einzelheiten inbegriffen, weil das Geld knapp war. So entstand Claudine à l'école; das Manuskript soll im Januar 1896 fertig gewesen sein. Das Buch kam um den 20. März 1900 in den Handel, allein unter Willys Namen. Colette war 27.
Ein Manuskript in der Schublade, Rechte ohne sie verkauft
Das Manuskript wartete fast vier Jahre. Nach Colettes eigener Darstellung legte Willy es in eine Schublade und stieß Ende 1899 wieder darauf; danach soll er es mehreren Verlagen erfolglos angeboten haben, bevor es bei Ollendorff erschien.
Das Buch verkaufte sich, aber es trug nicht ihren Namen. 1907 verkaufte Willy die Rechte an den Claudine-Romanen an deren Verleger, und Colette erfuhr es erst am 25. Februar 1909. Am 19. März vereinbarten die beiden nach einem zweistündigen Gespräch, dass die Bände künftig beide Namen tragen sollten, mit einem Hinweis an die Leser.
Die Académie Goncourt ließ sie lange warten. Schon 1917 war ihr Name im Gespräch, 1924, 1926, 1929 und 1937 erhielt sie Stimmen, ohne gewählt zu werden. Auch Zeitungen zogen zurück: Der Vorabdruck von Le Blé en herbe im Matin 1923 und der von Ces plaisirs… in der Wochenzeitschrift Grimoire 1931 wurden nach Leserprotesten abgebrochen.
Ein Erfolg 1900, ihr Name später
Claudine à l'école war ab 1900 ein großer Erfolg, und der Verkauf brachte Willy genug ein, um bei Besançon das Gut Les Monts-Boucons zu kaufen. In drei Jahren folgten drei Fortsetzungen, von Claudine in Paris im März 1901 bis Claudine geht im März 1903. Als Bühnenfassung lief Claudine à Paris ab dem 22. Januar 1902 in 123 Vorstellungen hintereinander an den Bouffes-Parisiens.
Anerkennung unter eigenem Namen kam schrittweise. Im März 1904, mit 31, zeichnete sie die Dialogues de bêtes, ein schmales Buch mit Tiergesprächen, als „Colette Willy“; es war wenig verbreitet, fiel aber mehreren Kritikern auf, darunter dem Dichter Francis Jammes. 1910 wurde Die Vagabundin, geschrieben während ihrer Scheidung, von der Goncourt-Jury beachtet, die den Preis in jenem Jahr an Louis Pergaud vergab. Allein mit dem Namen Colette zeichnete sie ihre Bücher erst Anfang der 1920er-Jahre.
Wie sie schrieb
Colette schrieb vor allem aus dem, was sie erlebt hatte. Claudine à l'école schöpft aus der Schule von Saint-Sauveur, deren Lehrerin Olympe Terrain zu Mademoiselle Sergent wird. Die Claudine-Manuskripte in der Bibliothèque nationale zeigen, wie Colette und Willy gemeinsam am Text arbeiteten. Für Tagesanbruch (1928) nahm sie die Briefe ihrer Mutter Sido und schrieb sie um.
Sie schrieb auch für die Presse, zu festen Terminen. Am 2. Dezember 1910 gab sie dem Matin eine erste Erzählung, nur mit einer Maske gezeichnet, und trat am 27. Januar 1911 aus der Anonymität. Ab Dezember 1919 war sie dort auch Theaterkritikerin und ging ein- oder zweimal pro Woche zu Premieren. Chéri war zunächst als Theaterstück gedacht, um 1919, bevor sie sich für den Roman entschied, der ihr erlaubte, das Milieu genauer zu zeichnen. Für Pour un herbier (1949) schickte ihr der Lausanner Verleger Mermod ein Jahr lang jede Woche Blumen, und sie schrieb von jeder ein Porträt.
Ab Ende 1938 machte eine Hüftarthritis sie nach und nach unbeweglich. Sie schrieb weiter, in ihrer Wohnung am Palais-Royal: Die blaue Laterne, entstanden von 1947 bis 1949, war ihr letztes Buch.
Ihr Leben in Kürze
Nach der Trennung von Willy im November 1906 verdiente Colette ihren Lebensunterhalt auf der Bühne, mit Pantomime, Varieté und Tourneen in der Provinz, und veröffentlichte zugleich La Retraite sentimentale (1907) und Les Vrilles de la vigne (1908). Die Scheidung wurde am 21. Juni 1910 ausgesprochen. Am 19. Dezember 1912 heiratete sie Henry de Jouvenel, einen der Chefredakteure des Matin; ihre Tochter kam am 3. Juli 1913 zur Welt. Die Ehe wurde 1925 geschieden, in dem Jahr, in dem sie Maurice Goudeket kennenlernte, den sie 1935 heiratete.
Im Januar 1938 zog sie in den ersten Stock der Rue de Beaujolais 9 am Pariser Palais-Royal, den sie nicht mehr verließ. Am 2. Mai 1945 wurde sie mit 72 einstimmig in die Académie Goncourt gewählt, am 1. Oktober 1949 wurde sie deren Präsidentin. Sie starb am 3. August 1954 mit 81 Jahren. Sie erhielt ein Staatsbegräbnis ohne kirchliche Feier, die die Kirche verweigert hatte, und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt.
Was Schreibende heute daraus mitnehmen können
- Ein Manuskript kann ruhen, ohne verloren zu sein: Claudine à l'école, um 1896 fertig, lag bis 1900 in einer Schublade.
- Wissen Sie, wem Ihre Rechte gehören: Willy verkaufte die der Claudine-Romane 1907, Colette erfuhr es zwei Jahre später und musste verhandeln, damit ihr Name auf den Umschlag kam.
- Der Stoff liegt oft vor Ihnen: ihre Schule, ihr Elternhaus, das Varieté und die Briefe ihrer Mutter wurden zu Büchern.
- Feste Termine schulen die Hand: Jahre mit Erzählungen und Kritiken für den Matin brachten sie dazu, kurz und regelmäßig zu schreiben.
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Quellen
- Société des amis de Colette, Biographie (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, Chronologie (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, Dialogues de bêtes (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, La Vagabonde (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, Chéri (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, Le Fanal bleu (gelesen am 2. November 2026)
- Société des amis de Colette, Lieux de vie (gelesen am 2. November 2026)
- La Maison de Colette (Saint-Sauveur-en-Puisaye), Une maison-livre (gelesen am 2. November 2026)
- Bibliothèque nationale de France, Les mondes de Colette (exposition) (gelesen am 2. November 2026)
- Livres Hebdo, Une exposition « Les mondes de Colette » à la BnF (gelesen am 2. November 2026)
- Ville de Paris, Une balade sur les pas de Sidonie devenue Colette (gelesen am 2. November 2026)