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Franz Kafka mit schmalem Gesicht, kurzem dunklem Haar, großen dunklen Augen und abstehenden Ohren, dunkler Jacke und am weißen Kragen gebundener Krawatte: Porträt im Stil eines Stichs aus dem frühen 20. Jahrhundert nach seiner Fotografie von 1923 (Illustration).
Generierte Illustration im Stil eines Stichs aus dem 19. Jahrhundert.
Schriftstellerleben

Franz Kafka

Tagsüber Jurist in einer Unfallversicherungsanstalt, schrieb er nachts und veröffentlichte zu Lebzeiten nur einige schmale Bände.

Geboren
3. Juli 1883
Prag (Böhmen, Österreich-Ungarn)
Gestorben
3. Juni 1924
Kierling bei Wien, mit 40
Erstes Buch
Betrachtung
1912, mit 29
Erfolg
Der Heizer
1913, mit 29

Ein erstes Buch mit 29, in 800 Exemplaren

Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren, als erstes Kind von Hermann Kafka, der ein Geschäft für Galanteriewaren führte, und Julie Löwy. Er studierte Jura an der Deutschen Universität in Prag und wurde 1906 promoviert. 1902 lernte er Max Brod kennen, der sein engster Freund werden sollte. Seine früheste erhaltene längere Prosa, Beschreibung eines Kampfes, entstand 1904/05, und einen großen Teil seines Frühwerks vernichtete er. 1910 rettete Brod genau dieses Manuskript vor der Vernichtung durch den Autor.

Die ersten Drucke blieben leise. 1908 brachte die Münchner Zeitschrift Hyperion acht kurze Prosastücke unter dem Titel Betrachtung. Vier Jahre später wurde derselbe Titel sein erstes Buch: achtzehn Stücke, geschrieben zwischen Ende 1906 und Herbst 1912, in 800 Exemplaren gedruckt und im Dezember 1912 bei Ernst Rowohlt erschienen. Kafka war 29. Felice Bauer, der er es Mitte Dezember schickte, nahm es offenbar ratlos auf.

Tagsüber das Büro, nachts das Schreiben

In diesen Jahren war sein Hindernis die Zeit. Nach einigen Monaten bei den Assicurazioni Generali, von Oktober 1907 bis Juli 1908, trat er Ende Juli 1908 in die Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag ein. Dort blieb er bis zu seiner Frühpensionierung am 1. Juli 1922. Dieselbe Stelle bewahrte ihn im Krieg vor dem Militärdienst.

Am 1. November 1912 schilderte er Felice Bauer seinen Tagesablauf der vergangenen sechs Wochen: Büro von 8 bis 14 oder 14.30 Uhr, dann Mittagessen, dann Schlaf am Nachmittag. Zum Schreiben setzte er sich gegen 22.30 Uhr, oft erst um 23.30 Uhr, und schrieb bis eins, zwei oder drei Uhr morgens, einmal bis sechs. Als Felice ihn drängte, die Nächte dem Schlaf zu widmen, lehnte er schroff ab. Er brauchte auch einen Ort: 1914 konnte er zum ersten Mal außerhalb der elterlichen Wohnung arbeiten, in Zimmern bei seinen Schwestern; 1915 mietete er ein eigenes Zimmer.

Mit 29 ein Romanfragment, das Musil lobte

Wenige Wochen im Herbst 1912 entschieden alles. In der Nacht vom 22. auf den 23. September schrieb er Das Urteil in einem Zug; noch vor Monatsende folgte Der Heizer, das erste Kapitel seines Amerikaromans Der Verschollene. Die Verwandlung entstand vom 17. November bis zum 6. Dezember. Am 4. Dezember 1912 las er Das Urteil öffentlich in Prag.

Der Heizer erschien im Mai 1913 bei Kurt Wolff in Leipzig. Kafka willigte ein, das einzelne Kapitel zu veröffentlichen, bestand aber auf dem Untertitel „Ein Fragment“. Im August 1914 lobte Robert Musil es in der Berliner Neuen Rundschau, die prominenteste Besprechung, die Kafka je erhielt. Ende 1915 gab der Dramatiker Carl Sternheim, Träger des Fontane-Preises, das Preisgeld als Zeichen seiner Anerkennung an ihn weiter, und die Münchner Presse wurde zum ersten Mal auf den „jungen Prager Erzähler“ aufmerksam. Es war eine Anerkennung unter Kennern. Nach den Worten des Direktors der Bodleian sind sein Ruhm und sein literarischer Erfolg ein Phänomen erst nach seinem Tod.

Wie er schrieb

Das Urteil war der eine Text, der selbst ihm makellos erschien, und zwar wegen der Art, wie er entstanden war. Sein Tagebuch vom 23. September 1912 beschreibt die Nacht: von zehn Uhr abends bis sechs Uhr früh, bis das Dienstmädchen zum ersten Mal durchs Vorzimmer ging. Später schrieb er Felice, er habe eigentlich einen Krieg beschreiben wollen, doch dann habe sich ihm alles unter den Händen gedreht. Er zog daraus eine Überzeugung: Nur so, in einem Zusammenhang, lasse sich schreiben. Der Germanist Manfred Engel bemerkt, dass seine Manuskripte wenige Korrekturen tragen, meist im Schreibfluss gemacht, und dass er einen Text, wenn er ihn überarbeitete, oft von vorn neu begann.

Für lange Erzählungen taugte diese Methode schlecht, und Kafka wusste das. Im Januar 1913 gab er Der Verschollene auf. Für den Proceß, begonnen im Juli 1914, schrieb er das Schlusskapitel gleich nach dem ersten, um einen festen Rahmen zu haben, ein Jahr im Leben Josef K.s, und füllte dann die Mitte. Er schrieb auch dort, wo er Ruhe fand: Von November 1916 bis Mai 1917 füllte er in einem Häuschen in der Alchimistengasse, das ihm seine Schwester Ottla überließ, die „Oktavhefte“, aus denen die meisten Erzählungen des Landarzt-Bandes hervorgingen. Im September 1922 schrieb er an Brod, er habe die Schloss-Geschichte aufgeben müssen, offenbar für immer.

Sein Leben in Kürze

Am 13. August 1912 lernte Kafka bei Max Brod Felice Bauer kennen. Er verlobte sich zweimal mit ihr, 1914 und 1917, und löste die Verlobung zweimal. Im September 1917 wurde Tuberkulose festgestellt; er verbrachte acht Monate bei seiner Schwester Ottla auf dem Land in Zürau. 1920 begann der Briefwechsel mit Milena Jesenská, seiner ersten Übersetzerin ins Tschechische. Im Herbst 1921 und noch einmal am 29. November 1922 schrieb er die beiden „Testamente“, in denen er Brod als Nachlassverwalter aufforderte, alles zu vernichten, was er hinterließ. Am 24. September 1923 zog er mit Dora Diamant nach Berlin, die auf seine Anweisung zahlreiche Manuskripte verbrannte.

Er starb am 3. Juni 1924 im Sanatorium in Kierling bei Wien, mit 40 Jahren, nachdem er noch die Druckfahnen seines letzten Buches, Ein Hungerkünstler, korrigiert hatte. Brod setzte sich über seinen Willen hinweg und veröffentlichte 1925 den Proceß, danach weitere Werke. 1939 floh er aus dem besetzten Prag, Kafkas Papiere im Koffer. Der größte Teil liegt heute in der Bodleian in Oxford, wohin der Germanist Malcolm Pasley sie 1961 im Kofferraum seines Fiat brachte; das Manuskript des Proceß liegt in Marbach, ein Teil von Brods Nachlass in der Israelischen Nationalbibliothek. Seine drei Schwestern wurden in der Shoah ermordet.

Was Schreibende heute daraus mitnehmen können

  • Ein Vollzeitberuf schließt das Schreiben nicht aus: Kafka schrieb Das Urteil und Der Heizer nach dem Büro, zwischen halb elf abends und dem frühen Morgen.
  • Verteidigen Sie Ihre Schreibstunden, auch gegen gut gemeinte Ratschläge. Er weigerte sich, seine Nächte dem Schlaf zurückzugeben.
  • Legen Sie bei einem langen Text das Ende früh fest. Kafka schrieb das Schlusskapitel des Proceß gleich nach dem ersten und füllte dann die Mitte.
  • Ein Kapitel kann allein bestehen. Der Heizer, als „Fragment“ veröffentlicht, brachte ihm die prominenteste Besprechung seines Lebens.
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Quellen

  1. Bodleian Libraries, University of Oxford, Kafka: Making of an Icon (news release, 2024) (gelesen am 2. November 2026)
  2. Bodleian Libraries, University of Oxford, Kafka: Making of an Icon (gelesen am 2. November 2026)
  3. Suhrkamp Verlag, Franz Kafka: Zeittafel (gelesen am 2. November 2026)
  4. Deutsches Historisches Museum (LeMO), Franz Kafka 1883-1924 (gelesen am 2. November 2026)
  5. S. Fischer Verlage (franzkafka.de), Betrachtung (gelesen am 2. November 2026)
  6. S. Fischer Verlage (franzkafka.de), Der Heizer (gelesen am 2. November 2026)
  7. S. Fischer Verlage (franzkafka.de), Die Verwandlung (gelesen am 2. November 2026)
  8. Cambridge University Press, Manfred Engel, "Writing", in Franz Kafka in Context (gelesen am 2. November 2026)
  9. The New York Review of Books, Kafka's Love Letters (letter to Felice Bauer, 1 November 1912) (gelesen am 2. November 2026)
  10. Perlentaucher / C.H. Beck, Peter-André Alt, Franz Kafka. Der ewige Sohn (Auszug, Teil 3) (gelesen am 2. November 2026)
  11. Münchner Beiträge zur jüdischen Geschichte und Kultur (LMU München), Dirk Heißerer, Kafka in München: Von den Scharfrichtern zur Strafkolonie (gelesen am 2. November 2026)
  12. Radio Prague International, Franz Kafka's never-before-seen manuscripts and drawings go online (gelesen am 2. November 2026)
  13. SRF, 100. Todestag: Der überraschende Franz Kafka (gelesen am 2. November 2026)
  14. Berliner Zeitung, Franz Kafkas Leben in der Berliner Staatsbibliothek: ein begehbares Familienalbum (gelesen am 2. November 2026)